Espaces-temps

Dienstag, 8. April 2008

En route

Was bisher geschah...
Babette besuchte mich in Strasbourg.
Wir haben nicht das übliche Touristenprogramm absolviert, sondern nur die schönsten Orte von Strasbourg besucht. Im Park L'Orangerie waren Bänke und Wiesen noch feucht, deshalb frühstückten wir in Eile und gingen durch das jüdische Viertel zurück in die Stadt. Wir hatten eine Stunde, um uns das moderne Museum anzusehen, bevor dort die Türen verriegelt wurden.
Wir waren sowohl bei Elo als auch bei Sophie zu einem legendären "soirrée" eingeladen, mit von der Partie Ludos Instrumente, Bordeaux, Château, Kronenbourg und viele tolle Freunde aus der europäischen Metropole. Babette kam nicht weit mit ihren Englischkenntnissen und ich durfte häufig übersetzen und Bekanntschaften ermöglichen. Avec plaisir!
Ich genoss den Abschied und den Aufbruch, die Gedanken an die bevorstehende Reise nach Barcelona, die südlichen Regionen Frankreichs und die Normandie. Dort werde ich Elo besuchen, bevor das Semester in die Endphase geht. Ich bin noch immer versucht, die Reisewege zu "hitchen", wurde jedoch bereits von zahlreichen Skeptikern desillusioniert. Selbst der Lonely Planet zweifelt an der Geselligkeit der Franzosen am Steuer.

Jetzt bin ich in Münster und habe zahlreiche Begegnungen und Wiedersehen hinter mir. Auf dem Rad von Babette kamen mir einige Freunde, Kommilitonen und Bekannte entgegen. Zwischen Schloss, Mensa und Soziologie-Institut ist das unvermeidlich. Ich habe Lucas, Franziska, Fredi, Christioph, Kathrin, Katha, Romana, Max und Yurdi und viele mehr wiedergesehen und ihre Kurzreporte aufgesogen, viel gelacht und von Strasbourgs Boulevards und seinen fantastischen Bewohnern geschwärmt, Fotos gezeigt und mit Ihnen Deutsch geübt. Nicht nur ich, alle anderen denken plötzlich über das Ende ihrer Studien nach, manche wollten abbrechen, andere müssen umziehen, Sprachen lernen, umdenken und planen; ich brauche ein Stipendium für mein Master-Studium oder eine neue Wohnung, um im Anschluss an das Semester in Strasbourg arbeiten, wurzeln zu können. Alles zieht mich zurück nach Frankreich: Personen, Sprache, Musik und Cuisine.

Peace out to Couch Surfers all around the world! Let's be poetic for a second.
Lukas

Samstag, 29. März 2008

Crédule

Nicht viel zu sagen, heute.
Das Wetter verbessert sich.
Ich verbessere mich.
Was nicht heißt, dass man mich nicht mehr verbessert.
Ich komme bald nach Münster.
Und ich habe gestern zum zweiten Mal in meinem Leben auf einer Sitar gespielt. Grâce à Ludo!
Strasbourg ist die musikalischste Stadt, in der ich je gelebt habe (Festivals, Konzerte, Jamsessions, Musikhochschule, die alte Oper). Während sich studentische Gruppen mit Instrumenten und Gesang beschäftigen, tanzen die Jugendlichen auf den Straßen à la tectonique!

Peace out.

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Donnerstag, 20. März 2008

Treiben lassen

Ich habe mich also treiben lassen.
Ich habe Strasbourg jedoch noch immer nicht verlassen. Viele ERASMUS-Studenten schauen sich die Umgebung an; die Vogesen, das Alsace oder Paris. Strasbourg ist vielfältig und ich habe noch längst nicht alle Cafés, Galerien und Theater gesehen, aber das Interesse an der Region kann ich nachvollziehen. Ich sehne mich vor allem nach Natur, einem Waldgebiet, einem See oder ähnlichen Biotopen. Der Grund meiner Beharrlichkeit, an Ort und Stelle zu bleiben, sind die Menschen, die ich bisher kennengelernt habe.
Wenn ich abends ausgehe, dann häufig mit Marie oder Eloisia. Neuerdings treffe ich Ludo, ein sehr talentierter Gitarrist und passionierter Jazzer à la Manouche. Diesen Stil habe ich an anderer Stelle schon in Ansätzen beschrieben. Sicherlich kann er euch ein genaueres Bild dieser Jazzbranche geben. Mir ist klargeworden, dass Musik internationale Grenzen erreichen kann – beim Erlernen von Tonleitern. Man sollte nicht überrascht sein, dass sich die französische Kultur auch gegen standardisierte Begriffe der musikalischen Harmonielehre wehrt (s. Tonleiter).
Gamme_Fa_majeur
Ich will nicht dem ERASMUS-Profil entsprechen, das hier und in vielen anderen Ländern existiert. Nicht zu Unrecht glaubt man von mir, ich besuchte höchstens vier Vorlesungen, können jeden Abend ausgehen und sei sowieso ständig unterwegs. Es stimmt, ich habe mehr Freizeit als in Münster, wo Nebenjob, Seminare und Hausarbeiten Pflicht sind. Doch ich habe damit im vergangenen Semester angefangen und ich werde auch hier nicht aufhören, produktiv zu sein. Deshalb meide ich die einschlägigen Pubs und lasse mich lieber von der musikalischen Vielfalt den zahlreichen „Boeufs“ (Jamsession) inspirieren. Ich lerne sehr viel von Marie, Sophie, Elo, Léo und Ludo. Ihre Hilfe beim Erlernen dieser fantastischen Sprache ist so unglaublich wertvoll. Dabei scheint ihre Geduld unerschöpflich zu sein, genauso wie ihr Interesse an und Wissen über (Agri-)Kultur, Musik und Studentenleben.

Wie ist es sonst als Ausländer? Gestern noch wurde mir vorgeworfen, der quasi vollkommenen Vernichtung des jüdischen Volks beigeholfen zu haben. Ich wurde vormittags nichtsahnend in eine Diskussion mit einem betrunkenen Typen verwickelt, der behauptete Jude zu sein. Er meine es gut mit mir, gestand er, denn ich sei ein netter Deutscher. Noch in Gedanken an die historische sowie kulturelle Reichweite einer vermeintlichen Kollektivschuld versunken, sprach mich der nächste Betrunkene an und bat mich, ein Lied für ihn auf meiner Gitarre zu spielen. Ich antwortete ziemlich flach und ausweichend minimalistisch: Non. Pardon.
Die Sprache ist hier der Indikator für deine Zugehörigkeit. Ja, die farbigen Menschen an der Supermarktkasse, die Juden im jüdischen Viertel, auch die Inder in ihren Kiosken sprechen tatsächlich Französisch. Doch wenn Daniela ihren italienischen Akzent in der Tram auspackt, hören alle hin und wissen zugleich, dass Daniela frisch ist. Wir leben uns hier ein und bleiben in unseren Köpfen Ausländer, weil wir zurückkehren müssen. Ich spreche von den ERASMUS-Studenten.
Und mir fiel auf, dass es verschiedene Strategien der Integration gibt. Welche Stufen werde ich erreichen, bevor ich mich hier „sicher“ fühle. Sicherheit im Sprachgebrauch, Sicherheit beim französischen Begrüßungszeremonial, Sicherheit im Umgang mit Funktionären, Professoren und Mitstudierenden? Man kann es auch umdrehen: Wann glauben meine Mitmenschen, sich mit Sicherheit bei mir verständlich gemacht zu haben? Wann wird Léonard wirklich denken, dass ich den besten Witz eines modernen Theaterstücks verstanden habe? Mir scheinen folgende Indikatoren wichtig zu sein:
1.Ändern der Benutzersprache von elektronischen Geräten.
2.Französisches Radio hören.
3.Postkarten auf Französisch schreiben.
4.Auf Französisch träumen.
5.Ein gelungenes Kompliment auf Französisch machen.

Ich werde übrigens vom 6. bis 10. April in Deutschland sein (Münster, Köln). A plus!

Sonntag, 16. März 2008

Kleine Pause

Ich habe eine kleine Pause eingelegt und mich etwas abtreiben lassen. Bald mehr von mir, hier.

-tudiants-par-universit-

Sonntag, 9. März 2008

...

Ich könnte ja die hochinteressanten Zahlen einer statistischen Erhebung hinsichtlich der Studentenzahlen im Alsace präsentieren. Tolle Kuchendiagramme, die zeigen, wie groß der Anteil ausländischer Studierender an den Universitäten im Alsace ist.
Aber ich möchte euch von meinem profanen Studentenleben erzählen, also meiner eigenen bescheidenen Empiriearbeit. Ich werde so häufig von Strasbourgeois gefragt, wie mir diese Stadt gefällt: Sie ist wundervoll.
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Was macht diese Stadt so sympathisch? Ich denke, es liegt vor allem an der Ill, dem ewigen Begleiter der Fußgänger und Entdecker der Stadt. Der Fluss schließt das Stadtzentrum ein und ist die Heimat unzähliger weißer Schwäne. Einen schwarzen Schwan habe ich noch nicht gesehen, was nicht bedeutet, dass die Existenz von schwarzen Schwänen auszuschließen ist!
Auf Spaziergängen am Fluss haben mich schon viele fantastische Menschen begleitet. Max und Lisa waren bei mir, Deniz bestaunte die tiefen Brücken, die einen dazu zwingen, eine Weile mit eingezogenem Kopf am Ufer entlang zu laufen. Wenig erfreut war sie über die Quantität der Stadttauben. Allgemein ist Strasbourg reich an Vögeln. Sara hat mich besucht und die Enten gefüttert. Eloïsia brachte mich mehrere Male zur Tramstation und wir bewunderten gemeinsam die alten Fachwerkbauten am südlichen Flussufer. Samia konnte mir historische Einzelheiten über die flussnahen Villen erzählen.
Und tausende Fahrgäste, Studenten, alsacien schwatzende Oldtimer und IPod-Lycéens begleiten mich täglich über die Brücke am Ende des Boulevards de la Victoire. Und auch zwischen dem Théâtre National de Strasbourg und der alten Oper trifft man erneut auf den den 208 km Zufluss des Rheins.
Die Tram besitzt einen gewissen Charme, ähnlich wie in Münster durchschient sie die Innenstadt, überführt an zig Stellen die Ill und kann als quasi historische Facette („Ader“ klingt so scheußlich medizinisch) der Stadt angesehen werden. Trotz ihrer Modernität.

Während einer Party im sechsten Geschoss eines Wohnheims für Doktoranden und Master-Studierenden betrat ich den Balkon des Salons, der es ermöglicht, den Boulevard de la Victoire in seiner ganzen Länge zu erblicken. Natürlich bewegte ich mich mit Widerwillen auf die Plattform, wo geraucht und arg geflirtet wurde. Ich habe verdammte Höhenangst! Aber die Aussicht ist fantastisch. Hier am Laptop sitzend starre ich direkt auf die gegenüberliegende Hausfassade des hässlichen Wohnheims.

Die letzten zwei Wochen vergingen wie im Sturzflug. Ich kenne das Stadtzentrum, einige geniale Bars und habe bereits drei Kinos von Innen gesehen. Ich begeistere mich für den Jazz Manouche, eine arg beschleunigte Form des Bossa Nova, die viele Anhänger unter den Studierenden hat, und sitze häufig auf meiner Bettkante: Mäßig improvisierend, aber die Finger werden schneller. Das muss so sein, wenn ich mit Ludo oder Léonard mithalten will. Natürlich ist meine Begeisterung für die Gitarre auch hier nützlich. Aber interessanterweise wird Gitarrenmusik in Frankreich geradezu mythologisch überhöht. Also werde ich noch einige Abende mit Freunden, viel Wein und Gitarrenmusik verbringen.

Salutations,
Lukas

Mittwoch, 5. März 2008

Les crêpes allemandes

Gestern verbrachte ich einen wunderbaren Abend mit Freunden, Kommilitonen und Musikern. Ich konnte alle mit deutschen Pfannkuchen à la "Garbo" überzeugen. Photos befinden sich im Sektor "Rue de Vendenheim", goûtez!
Die Fotographin des Abends und hoffentlich noch weiterer Entrevues oder Konzerte ist Eloïsia.

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Freitag, 29. Februar 2008

Französische Bürokratie par excellence

Ich habe in den vergangenen drei Wochen viel erlebt und viele Menschen kennengelernt - dabei stand ich zumeist in Schlangen, vor Schaltern, saß in Warte- und Sprechzimmern oder Büros.
Die Franzosen verwalten gerne und nehmen deshalb gerne eine allumfassende Verwaltung in Kauf. Ich habe nun versucht, die verschiedenen bürokratischen Notwendigkeiten seit meiner Ankunft zusammenzufassen. Das Fließdiagramm zeigt, welche Stadien und Schritte obligatorisch sind (vgl. die ersten zwei Ebenen) und welche sich konsekutiv an diese Erledigungen anschließen.
Unbenannt

Seit heute habe ich das Gefühl, endlich alles für die administrative Integration getan zu haben. In dieser Woche habe ich folgende Dinge geschafft:
- Kreditkarte (ohne Bankkonto nix finanzielle Unterstützung vom Staat)
- Internetzugang im Wohnheim
- Mensa-Karte

Meine Adresse kann man jetzt ein Stückchen weiter unten im rechten Kasten abschreiben, herauskopieren und auswendig lernen.

Montag, 25. Februar 2008

Des images qui parlent

Le-CAFE


sara


LEGUME


Artichaut-et-le-Jazz

Dienstag, 19. Februar 2008

Gelegenheiten

Neulich auf dem Heimweg, in Begleitung von zwei französischen Studierenden, fiel mir ein Fahrrad auf, das vertikal in einem Baum hing. Mit Léonards Hilfe pflückte ich das alte Stück aus seiner Hängelage und stellte es auf die Straße. Es war ein Rennrad. Und das Mädchen, ich habe ihren Namen vergessen, stellte fest, dass das Fahrrad weder abgeschlossen noch ernsthaft beschädigt sei. Bloß die Kette hing irgendwo zwischen den Speichen, das Mädchen setzte sie auf den Zahnkranz und machte erneut eine Feststellung: Die Kette sei zu lang. Irgendwie rollte ich auf dem neuen Rad nach Hause, denn treten war nicht möglich. Bald werde ich das Rad in Reparatur geben.

An meinem neuen Schreibtisch ist eine neue Kurzgeschichte entstanden. Ihr findet sie unter „Erdachtes“; irgendwo weiter unten auf der Seite solltet ihr in diese Rubrik navigieren können.

Freitag, 15. Februar 2008

Fuck for Forest (l’Ecoporno)

Und da ist er – der Waldfick. Absolut nichts für mich, franchement.
Ich zitiere das Magazin „Metro“, welches regelmäßig an Haltestellen der Tram in Strasbourg verteilt wird: „Et si le sexe servait à conserver les forêts tropicales?“
Die Valentinstag-Ausgabe dieses Magazins beschreibt ein Projekt mit dem ehrlichen Eigen-namen „Fuck for Forest“ (FFF). Ein norwegisches Ehepaar setzt sich vehement für den Erhalt des Regenwalds ein, indem sie Aufnahmen ihres Koitus „au secours de la nature“ im Internet verkaufen. Alle Einnahmen werden an Umweltschutz-Organisationen in Ecuador und Costa Rica weitergeleitet. Ihr Produktionszentrum haben die Naturliebhaber jetzt nach Angaben der „Metro“ nach Berlin verlegt. In Deutschland hat die Pornoindustrie ja Konjunktur.

Fuck-for-Forest
« Le moment de rembourser la nature est arrivé, et il faut le faire avec amour ! »

Meine Frage lautet nun: Ist diese Geschichte eine lahme Nachricht von gestern und bin ich der letzte, der sie erährt; oder darf man den Strasbourgern zu besonders schamlosem Investigati-onsjournalismus gratulieren?
Sollte sich jemand für die gutgemeinte Aktion und diverse Filme interessieren, muss ich euch enttäuschen – das Magazin enthält ihren Lesen aus unbekannten Gründen die Internetadresse vor. Ihr wundert euch? Genau in solchen Momenten bröckeln meine Vorurteile, was ich sehr begrüße.

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In Other Wor(l)ds !!

… something to say about France and the French: chic, smart, sexy, bureaucratic, pavements studded with dog poo, baguettes that dry out by lunchtime… (Lonely Planet)

A propos...

Mein Lesestoff

Gérald Bronner
L'empire de l'erreur

Jacques Prévert
Paroles

Anne Guglielmetti
Les pierres d'attente

Christoph Weischer
Sozialforschung

Claude Roy
A la lisière du temps

Musikliste

Thomas Versen
4

Eef Barzelay
Bitter Honey

The Cinematic Orchestra
Ma Fleur

Hot Chip
Made in the Dark

Clem Snide
Soft Spot

Culture de Cafés

Ich weise euch auf folgende Cafés in Strasbourg hin, die ich besucht habe und unglaublich gerne weiterempfehlen möchte: "L'Artichaut" +++ "Le Café des Anges" +++ "La Taverne francaise" +++ "Marché Bar" +++ Le thé des muses +++

Adresse

Studio #252 +++ Résidence universitaire "Les Cattleyas" +++ 2, rue du Vieil Armand +++ 67100 Strasbourg-Neuhof +++ France

Status

Online seit 6266 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 9. Jul, 11:14

Credits

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