Nebel
Es reicht. Ich werde nun den Nebel lichten, der sich auf mein Leben in Strasbourg gelegt hat. Tatsächlich ist es seit meiner Ankunft durchgehend bewölkt, es regnet nicht, aber in ständiger Erwartung eines Regenschauers zu leben, ist nicht besonders gesund.
In Spanien ist es sonniger. Auch in Perpignan scheint offensichtlich häufig die Sonne. Klima und Zivilisation ermöglichen Palmen und Zitruspflanzen. In Perpignan hätte ich studieren können. Doch ich bereue keineswegs, Strasbourg gewählt zu haben. Perpignan ist provinziell und nicht gerade das, was man sich als Standort von seriöser Sozialwissenschaft vorstellt. Besonders nicht, wenn man sich, wie ich, für moderne Anthropologie in urbanen Kulturräumen interessiert.

Ich war endlich unterwegs und habe viel von Frankreich gesehen. Viel wichtiger noch, ich war stets in direktem Kontakt mit Einheimischen! Sie erzählten mir ihre Vorlieben und Sorgen, führten mich an die schönsten Orte der Region (zum Beispiel die Mittelmeerküste bei Théza) und teilten ihren Musikgeschmack mit mir.
Während meines Flugs nach Barcelona lernte ich einen spanischen Ethnologen kennen, der derzeit Feldforschung in Polen betreibt. Alexis ist außerdem Couchsurfer, multilingual und Fotograf. Sein aktuelles Lieblingsmotiv: Männerhintern mit aufgeklebten Papierfetzen, auf denen die Bezeichnung des Objektes in jeweiliger Sprache geschrieben steht. Er lud mich in seine WG ein und stellte mir Mitbewohner und Freunde vor. Vielleicht wird er mir die Aufnahmen schicken, die er von mir gemacht hat.
Während ich in Barcelona noch in Jugendherbergen unterkam, habe ich für alle folgenden Nächte in Frankreich nicht einen Cent bezahlt. Die Grenze überquerte ich mit einer Amerikanerin, der ich riet, ihren langjährigen Freund zu verlassen. Es war interessant, zu verfolgen, wie die europäische Lebensweise ihre Sicht auf bestimmte Traditionen in den USA verändert haben: "I don't know how it works here, but where I live people marry after university... I dont't feel ready."
Meine Kommilitonin Elo wusste nicht, wann ich ankommen würde. In Toulouse spürte ich, dass ich nicht länger bei völlig Fremden wohnen wollte, zudem interessierte mich das Landleben à Bellou-le-Trichard en Basse-Normandie, von dem mir Elo so viel erzählt hatte. Ich stieg also aus dem Regionalzug und sprach kurz mit ein paar einheimischen Rentnern. Sie beschrieben mir die ungefähre Richtung, denn erstaunlicherweise kannten sie das Dorf mit dem Namen Bellou-le-Trichard nicht besonders gut. Niemand schien bereits dort gewesen zu sein, aber die lokalen Beziehungen, die familiären Verbindungen und vermutlich einige Gerüchte und Sagen reichten aus, um eine vage Erinnerung an den von mir gesuchten Ort aufleben zu lassen. Ich lief ca. 10km mit meinem Rucksack, den Rest der Strecke legte ich als Auto-Stopper zurück. Eine Frau mit zwei Kleinen auf den Rücksitzen nahm mich mit. Das zweite Mitfahrangebot machte mir ein freundlicher Mann, der etwas tollpatschig wirkte. Es stellte sich heraus, dass ihn die Dorfbewohner "Ivre-Mort" nennen. Nach zwei Stunden stand ich vor dem Schild der "Ferme biologique -la Haute Blatrie-" und rief Elo an. Sie schien nicht beschäftigt zu sein, also legte ich auf und betrat das Grundstück.
In den folgenden drei Tagen lernte ich das Geschehen auf dem Bauernhof, ihre Familie, vier Katzen, 60 Kühe, 20 Kälber, ein Hund, unzählige Hühner, Elos Freunde und die cuisine francaise à la campagne kennen.

Strasbourg langweilt mich deshalb ein wenig.
Aber ich habe viel erlebt.
In Spanien ist es sonniger. Auch in Perpignan scheint offensichtlich häufig die Sonne. Klima und Zivilisation ermöglichen Palmen und Zitruspflanzen. In Perpignan hätte ich studieren können. Doch ich bereue keineswegs, Strasbourg gewählt zu haben. Perpignan ist provinziell und nicht gerade das, was man sich als Standort von seriöser Sozialwissenschaft vorstellt. Besonders nicht, wenn man sich, wie ich, für moderne Anthropologie in urbanen Kulturräumen interessiert.

Ich war endlich unterwegs und habe viel von Frankreich gesehen. Viel wichtiger noch, ich war stets in direktem Kontakt mit Einheimischen! Sie erzählten mir ihre Vorlieben und Sorgen, führten mich an die schönsten Orte der Region (zum Beispiel die Mittelmeerküste bei Théza) und teilten ihren Musikgeschmack mit mir.
Während meines Flugs nach Barcelona lernte ich einen spanischen Ethnologen kennen, der derzeit Feldforschung in Polen betreibt. Alexis ist außerdem Couchsurfer, multilingual und Fotograf. Sein aktuelles Lieblingsmotiv: Männerhintern mit aufgeklebten Papierfetzen, auf denen die Bezeichnung des Objektes in jeweiliger Sprache geschrieben steht. Er lud mich in seine WG ein und stellte mir Mitbewohner und Freunde vor. Vielleicht wird er mir die Aufnahmen schicken, die er von mir gemacht hat.
Während ich in Barcelona noch in Jugendherbergen unterkam, habe ich für alle folgenden Nächte in Frankreich nicht einen Cent bezahlt. Die Grenze überquerte ich mit einer Amerikanerin, der ich riet, ihren langjährigen Freund zu verlassen. Es war interessant, zu verfolgen, wie die europäische Lebensweise ihre Sicht auf bestimmte Traditionen in den USA verändert haben: "I don't know how it works here, but where I live people marry after university... I dont't feel ready."
Meine Kommilitonin Elo wusste nicht, wann ich ankommen würde. In Toulouse spürte ich, dass ich nicht länger bei völlig Fremden wohnen wollte, zudem interessierte mich das Landleben à Bellou-le-Trichard en Basse-Normandie, von dem mir Elo so viel erzählt hatte. Ich stieg also aus dem Regionalzug und sprach kurz mit ein paar einheimischen Rentnern. Sie beschrieben mir die ungefähre Richtung, denn erstaunlicherweise kannten sie das Dorf mit dem Namen Bellou-le-Trichard nicht besonders gut. Niemand schien bereits dort gewesen zu sein, aber die lokalen Beziehungen, die familiären Verbindungen und vermutlich einige Gerüchte und Sagen reichten aus, um eine vage Erinnerung an den von mir gesuchten Ort aufleben zu lassen. Ich lief ca. 10km mit meinem Rucksack, den Rest der Strecke legte ich als Auto-Stopper zurück. Eine Frau mit zwei Kleinen auf den Rücksitzen nahm mich mit. Das zweite Mitfahrangebot machte mir ein freundlicher Mann, der etwas tollpatschig wirkte. Es stellte sich heraus, dass ihn die Dorfbewohner "Ivre-Mort" nennen. Nach zwei Stunden stand ich vor dem Schild der "Ferme biologique -la Haute Blatrie-" und rief Elo an. Sie schien nicht beschäftigt zu sein, also legte ich auf und betrat das Grundstück.
In den folgenden drei Tagen lernte ich das Geschehen auf dem Bauernhof, ihre Familie, vier Katzen, 60 Kühe, 20 Kälber, ein Hund, unzählige Hühner, Elos Freunde und die cuisine francaise à la campagne kennen.

Strasbourg langweilt mich deshalb ein wenig.
Aber ich habe viel erlebt.
Neufundlukas - 22. Apr, 22:26